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Hawkbit
28 October 2009 @ 09:12 pm

gefunden - ja hier! - auf LIVEJOURNAL
 
 
Hawkbit
17 October 2009 @ 07:50 am
Parteigeist

Wo Parteien entstehn, hält jeder sich hüben und drüben,
Viele Jahre vergehn, eh sie die Mitte vereint.

Friedrich Schiller

jüngst gefunden durch Lyrikmail
 
 
Hawkbit
27 September 2009 @ 10:21 am

Über das sprachschöpferische Talent deutscher Werbetexter kann man sich manchmal nur wundern.
 
 
Hawkbit
12 September 2009 @ 09:50 pm
Die Informationsstrategie der Berliner S-Bahn
in der ersten September-Woche 2009

gesehen in der Eingangshalle des S-Bahnhofs Berlin - Messe Nord / ICC (ehemals Witzleben)

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als wieder mal fast nichts ging.
Beinahe wäre ich (zum ersten Mal) zu spät zur Arbeit gekommen.
 
 
Hawkbit
07 June 2009 @ 04:54 pm
Ich bin vor drei Jahren nach Berlin - genauer gesagt nach Neukölln - gezogen. Viele haben mich gefragt - auch eingesessene Berliner - warum ausgerechnet Neukölln ?

Naja, um es kurz zu sagen: beim nächsten türkischen Bäcker, zu dem ich schon morgens um sechs mal schnell in Pantoffeln rüberlaufen kann, bezahle ich für eine knusprig-frische Schrippe 15 Cent. Beim Thürmann, der erst halb acht aufmacht und zehn Minuten zu Fuß entfernt ist, kostet so'ne Schrippe dagegen doppelt so viel, und die ist weder frischer noch knuspriger.
Noch Fragen ?

Drauf gekommen durch Eiskraut & Sauerbein
 
 
 
Hawkbit
25 February 2009 @ 12:08 am
DIE NÄCHTE EXPLODIEREN ...
von Ernst Wilhelm Lotz

Die Nächte explodieren in den Städten,
Wir sind zerfetzt vom wilden, heißen Licht,
Und unsre Nerven flattern, irre Fäden,
Im Pflasterwind, der aus den Rädern bricht.

In Kaffeehäusern brannten jähe Stimmen
Auf unsre Stirn und heizten jung das Blut.
Wir flammten schon. Und suchten leise zu verglimmen,
Weil wir noch furchtsam sind von eigner Glut.

Wir schweben müßig durch die Tageszeiten,
An hellen Ecken sprechen wir die Mädchen an.
Wir fühlen noch zuviel die greisen Kostbarkeiten
Der Liebe, die man leicht bezahlen kann.

Wir haben uns dem Tode übergeben
Und treiben, arglos spielend vor dem Wind.
Wir sind sehr sicher, dorthin zu entschweben,
Wo man uns braucht, wenn wir geworden sind.

Ein junger Mann, den ich überhaupt nicht kannte, hat mir übers Internet dieses Gedicht geschickt. Er stehe kurz vor seinem Abitur, befasse sich gerade mit der Interpretation dieses Gedichts und wolle mich nach meiner Meinung fragen. Keine Ahnung, wie er ausgerechnet auf mich gekommen ist, aber naja, erst mal bei Wikipedia nachgesehen: Ernst Wilhelm Lotz war also erst 24 Jahre alt, als er gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges in Frankreich gefallen ist und ich versuchte, etwas aufzuschreiben:
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DIE NÄCHTE EXPLODIEREN ...
"die Mädchen ... die man leicht bezahlen kann ..."
und doch:
"fühlen noch zuviel die greisen Kostbarkeiten ...."
Was wohl ging in im Kopf dieses noch so jungen Menschen herum, als er diese Worte schrieb ?
Der unvergängliche Wunsch nach nach Liebe - richtiger, nicht käuflicher ?

"Wir haben uns dem Tode übergeben"
Als ich bei der Bundeswehr das erste Mal auf Pappkameraden schießen musste, habe ich mit Absicht daneben geschossen. Schlimm genug, dass mich später solcherlei Skupel nicht mehr behelligt haben. "Wir haben uns dem Tode übergeben" hat eine andere Bedeutung gewonnen. "Angiff ist die beste Verteidigung" und "Wer besser zielt und schneller schießt, bleibt Sieger" hieß es in der Infanterie-Gefechtsanweisung. Das war zu den gefährlichsten Zeiten des kalten Krieges, des atomaren Wettrüstens zwischen Ost und West und der Kuba-Krise. Als junge Soldaten haben wir nicht mehr daran glauben können, dass die Menschheit diese Konflikte ohne den Ausbruch eines dritten Weltkrieges überstehen würde. Bei den Planspielen in den höheren Führungsebenen der Bundeswehr war der Einsatz von Kernwaffen zur Regel geworden. Bei einer Reserveübung, zu der ich einberufen wurde, ging es um einen Angriff auf meine Heimatstadt Hameln an der Weser. Ich musste im Stabsquartier die "gemeldeten" Atombombeneinschläge mit kleinen Fähnchen auf der Landkarte markieren. Ein solches Fähnchen steckte dann auch bei der Weserbrücke - 300 Meter von meinem Elternhaus entfernt ...
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Ich hielt ein, blickte ratlos über die Zeilen des Gedichts und konnte nichts mehr damit anfangen, konnte dem Jungen nicht helfen. Zwar hatte ich ihm meine Gedankenfetzen geschickt, aber nichts mehr von ihm gehört.

Erst heute habe ich entdeckt, dass die erste Zeile im letzten Vers eigentlich so heißt:
"Wir haben uns dem Tage übergeben" Die Deutsche Gedichte-Bibliothek
 
 
Hawkbit
18 February 2009 @ 11:54 pm





 
 
Hawkbit
08 January 2009 @ 10:38 pm
Im Freitag Die Ost-West-Wochenzeitung vom 26. Dezember 2008 wurde folgender Aufsatz von Kurt Tucholsky abgedruckt:

Kurzer Abriß der Nationalökonomie

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.

Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum.

Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. "Geld".

Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da – meist nicht da. Das im Umlauf befindliche Papiergeld ist durch den Staat garantiert; dieses vollzieht sich derart, dass jeder Papiergeldbesitzer zur Reichsbank gehn und dort für sein Papier Gold einfordern kann. Das kann er. Die obern Staatsbankbeamten sind gesetzlich verpflichtet, Goldplomben zu tragen, die für das Papiergeld haften. Dieses nennt man Golddeckung.

Der Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfuß der Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt. Jeden Morgen wird in den Staatsbanken der sog. "Diskont" ausgewürfelt; es ist den Deutschen neulich gelungen, mit drei Würfeln 20 zu trudeln.

Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.

Wenn die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie nichts mehr wert, sondern ein Pofel, dafür hat aber der Unternehmer das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, dann ruft er die andern und dann bilden sie einen Trust, das heißt, sie verpflichten sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie produzieren können sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist.

Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export, Export ist, wenn die andern kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muß das Ausland einheimische, also deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht konkurrenzfähig sind. Wenn der Export andersrum geht, heißt er Import, welches im Plural eine Zigarre ist. Weil billiger Weizen ungesund und lange nicht so bekömmlich ist wie teurer Roggen, haben wir den Schutzzoll, der den Zoll schützt sowie auch die deutsche Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft wohnt seit fünfundzwanzig Jahren am Rande des Abgrunds und fühlt sich dort ziemlich wohl. Sie ist verschuldet, weil die Schwerindustrie ihr nichts übrig läßt, und die Schwerindustrie ist nicht auf der Höhe, weil die Landwirtschaft ihr zu viel fortnimmt. Dieses nennt man den Ausgleich der Interessen. Von beiden Institutionen werden hohe Steuern gefordert, und muß der Konsument sie auch bezahlen.

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. "Stützungsaktion", bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.

Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dieses den Ernst der Lage. Geordnete Staatswesen werden mit einer solchen Lage leicht fertig; das ist bei ihnen nicht so wie in den kleinen Raubstaaten, wo Scharen von Briganten die notleidende Bevölkerung aussaugen. Auch die Aktiengesellschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der Generalversammlung in die Opposition gehn und etwas zu Protokoll geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaft haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten "Bilanz" zusammengestellt.

Die Wirtschaft wäre keine Wirtschaft, wenn wir die Börse nicht hätten. Die Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant zu ersetzen; die frommem gehn außerdem noch in die Synagoge. Die Börse sieht jeden Mittag die Weltlage an: dies richtet sich nach dem Weitblick der Bankdirektoren, welche jedoch meist nur bis zu ihrer Nasenspitze sehn, was allerdings mitunter ein weiter Weg ist. Schreien die Leute auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist fest. In diesem Fall kommt – am nächsten Tage – das Publikum gelaufen und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist. Ist die Börse schwach, so ist das Publikum allemal dabei. Dieses nennt man Dienst am Kunden. Die Börse erfüllt eine wirtschaftliche Funktion: ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer.

In der Wirtschaft gibt es auch noch kleinere Angestellte und Arbeiter, doch sind solche von der neuen Theorie längst fallen gelassen worden.

Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben, und füge noch hinzu, dass sie so gegeben sind wie alle Waren, Verträge, Zahlungen, Wechselunterschriften und sämtliche andern Handelsverpflichtungen – also ohne jedes Obligo.

Die Weltbühne, 15.09.1931, Nr. 37, S. 393

Im Beitext der Redaktion stand u.a.:
Wer sie [Tucholskys Beobachtungen] liest, könnte irgendwann vergessen, sich zur Lektüre eines Textes entschlossen zu haben, der vor mehr als 75 Jahren entstand.
 
 
Hawkbit
10 December 2008 @ 04:22 am
Dieser Eintrag handelt von einem abgeschlossenen Kapitel in meinem Leben


Opel Olympia Record
Mein erstes eigenes Auto habe ich 1963 für 800 DM erworben, unmittelbar nachdem ich bei der Bundeswehr die Fahrschule absolviert hatte. Der Wagen war aber schon zehn Jahre alt und hatte bereits 105000 Kilometer drauf. Er gehörte vorher einem Landwirt und so sah er auch aus, ich musste ihn erstmal - vor allem innen - gründlich sauber machen. Das Modell war das erste, das Opel in Deutschland nach dem Vorbild amerikanischer Limousinen gebaut hatte (der Vorgänger Opel Olympia hatte noch ein kurzes Heck und einen entsprechend kleinen Kofferraum). Die Lenkradschaltung, eine durchgehende Sitzbank für Fahrer und Beifahrer und weiße Radblenden waren damals eine ganz "schicke" Sache. Der Motor mit 40 PS bei 1,5 Liter Haubraum galt als besonders "elastisch", deshalb kam das Auto mit einem Dreiganggetriebe aus. Allerdings verabschiedete es sich mit einem Kolbenfresser auf der Heimfahrt direkt nach der Entlassung vom Wehrdienst. So bin ich mit diesem Auto ein halbes Jahr lang ungefähr 10000 km gefahren - genau weiß ich das nicht, weil irgendwann zwischendurch der Tacho kaputt gegangen war.
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Renault 4
Während der Zeit meines Studiums konnte ich mir kein Auto leisten. Erst kurz vor dem Staatsexamen kaufte ich mir im Frühjahr 1972 (in Erwartung des künftigen, eigenen Einkommens) mein zweites Auto für 2900 DM. Der R4 war um diese Zeit in Deutschland ein äußerst beliebtes Auto: billig in Anschaffung und Unterhalt (z.B. im Vergleich zum VW Käfer) und durch variable Innenraumnutzung vielseitig einsetzbar. Mein R4 war beim Kauf drei Jahre alt und hatte 50000 km auf dem Tacho. Mit 850 ccm Hubraum und 26 PS brachte er es auf 105 km/h, wobei die Karosse allerdings schon bedrohlich vibrierte. In knapp vier Jahren brachte er mich 80000 km weit, dann war er allerdings "fertig". Zuletzt hatte ich die durchgerosteten Bodenbleche noch mit Sperrholz notdürftig abgedeckt.
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VW Golf L
Das war mein erstes funkelnagelneues Auto im Herbst 1975. Vor der Bestellung war ich noch unentschieden, ob es ein Polo für gut 8000 DM oder ein Golf werden sollte, der immerhin rund 2000 DM mehr kostete. Doch die Probefahrten mit beiden Modellen fiel schnell zugunsten des letzteren aus: serienmäßig mit 1,2 Liter-50 PS-Maschine ausgerüstet schaffte er spielend 140 km/h, auf ebener Strecke ohne Gegenwind sogar 160 km/h. Doch für Bremskraftverstärker, H4-Scheinwerfer und Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen musste ich extra bezahlen. Die ersten vier Jahre lief er völlig klaglos. Dann stellte sich ein merkwürdiger Mangel ein: Die Reifen an der Vorderachse nutzen sich ungewöhnlich schnell und auch unterschiedlich auf beiden Seiten ab. Ich musste den Wagen deswegen wiederholt in die Werkstatt bringen, vor allem, weil dadurch auch die Lenkfähigkeit bei nassen Straßen gefährlich beeinträchtigt wurde. Die Reparaturen, die jeweils aus Vermessung und Neueinstellung des Fahrwerks sowie dem Austausch gegen neue Reifen bestanden, behoben den Fehler immer nur für kurze Zeit, auch nachdem ich die Werkstatt gewechselt hatte. So habe ich mich nach nicht einmal sieben Jahren entschieden, mich von diesem Auto zu trennen. Gefahren bin damit ungefähr 130000 km. Weil sich bei uns inzwischen Nachwuchs angekündigt hatte, dachten wir ohnehin schon an die Anschaffung einer größeren "Familienkutsche".
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Volvo 240 Kombi
Eigentlich tendierte ich zunächst zu einem VW Passat. Zu der Zeit lebten wir in Zürich, und in der Schweiz waren deutsche Autos vergleichsweise ziemlich teuer, so dass auch Schweizer häufig ihre Neuwagen in der EU gekauft und dann in ihr Heimatland eingeführt haben, wobei man trotz Zollabgaben noch einige Fränkli sparen konnte. Sehr beliebt waren in der Schweiz die schwedischen Autos und das Servicenetz von Volvo war dort mindestens genauso gut ausgebaut wir zum Beispiel für Mercedes/Benz. So bin ich halt mal zum nächsten Volvo-Händler gegangen, der von unserer Wohnung nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt war. Es stellte sich heraus, dass der Listenpreis für einen Volvo 240 Kombi bei 23000 Schweizer Franken lag. Das waren nur etwa 2000 Franken mehr als für einen VW Passat mit den Extras, die man für ein vernünftiges Auto braucht - beim Volvo war das alles schon serienmäßig enthalten. So kam ich also im Herbst 1982 an das Auto, das ich mir schon lange vorher als unerfüllbares Wunschziel vorgestellt habe. Der Volvo-Händler hat einen Preisnachlass vonn 2000 Franken bei Barzahlung gewährt - es war bar in der Tat, so ist es offensichtlich in der Schweiz üblich. Wir haben das Geldscheinbündel abgezählt vorher bei der Bank abgeholt, unter der Matratze im Kinderwagen unseres gerade acht Wochen alten Sohnes zum Händler gebracht und gegen den bereitstehenden Neuwagen eingetauscht. Dieser Volvo ist in 16 Jahren ca. 470000 km gelaufen, ohne Motorschaden und mit vertretbaren sonstigen Reparaturkosten. Eigentlich wollte ich damit noch die halbe Million Kilometer vollmachen, aber der Kostenvorschlag notwendiger Ausbesserungen für die letzte anstehende TÜV-Prüfung überstieg bereits den verbliebenen Wert des Autos. Es war wohl weniger eine Frage der Zeit, sondern der enormen Kilometerleistung des Wagens, die darurch zustande kam, dass ich elf Jahre lang eine Strecke von 90 km allein für den täglichen Weg zur Arbeit und zurück nach Hause fahren musste. Übrigens ist mir erst später aufgefallen, dass ich bei der Bestellung zwei wichtige Extras vergessen hatte: elektrische Fensterheber, weil ich zum Öffnen des rechten Seitenfensters anhalten und mich abschnallen musste, wenn ich allein unterwegs war (der Volvo war nämlich deutlich breiter als alle anderen Autos zuvor) und eine Zentralverriegelung, weil man beim Einsteigen für eine Fahrt mit der ganzen Familie sowieso alle Türen und auch die Heckklappe öffnen muss. Mit diesem Auto sind unsere beiden Kinder groß geworden und sie haben es geliebt. Mit meinem Sohn habe ich zuletzt noch eine lange Spazierfahrt durchs Münsterland gemacht und damit den restlichen Sprit verbraucht. Meine Tochter (damals dreizehn Jahre alt) hat ein rosa Schleifchen ans Auto geklebt, bevor ich es zur Entsorgung weggebracht habe - mitfahren wollte sie nicht, weil es ihr zu traurig vorkam.
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VW Passat
Es war einem glücklichen Umstand zu verdanken dass ich dann doch noch an einen VW Passat gekommen bin. Mein Bruder war kurz vor der Stilllegung des Volvos aus beruflichen Gründen von München nach Budapest umgezogen. Er hatte aber nicht gewusst, dass nach den ungarischen Bestimmungen Autos ab einem bestimmten Alter nicht als Umzugsgut eingeführt werden dürfen, sondern mit einem ziemlich hohen Zoll belegt werden. Damit schlagen die Ungarn wohl zwei Fliegen mit einer Klappe: erstens vermeiden sie, dass alte Dreckschleudern massenhaft aus dem Westen in ihr Land kommen (anders als zum Beispiel in Polen nach der Öffnung zum Westen) und zweitens war es sicher eine willkommene Belebung des heimischen Automarktes. Jedenfalls war es für meinen Bruder letztenendes billiger, sich vor Ort einen guten Gebrauchtwagen zu kaufen als seinen Passat zu behalten, der schon genauso alt war wie mein Volvo, also über 16 Jahre. Aber mein Bruder war ja mit diesem Auto eingereist und brauchte es dann nicht mehr, es musste also irgendwie nach Deutschland zurückgebracht werden. Er hat es mir als Geschenk angeboten, wenn ich es selber abholen könnte. So konnten wir beide Nützliches mit Angenehmen verbinden. Ich hatte erstmal wieder ein Auto und außerdem ein paar schöne Tage gemeinsam mit meinem Bruder im vorweihnachtlichen Budapest, er hingegen war die Sorge mit dem überflüssig gewordenen Gefährt los. Dieser Passat hatte bei der Übernahme 195000 km m hinter sich und kam in der Folge noch einmal ohne große Probleme durch den TÜV. Dann allerdings mehrten sich die Spuren des Alters und Rostlöcher vor allem in den Kotflügelecken wurden sichtbar und von da an unaufhaltsam immer größer. Die bange Frage nach einem weiteren TÜV-Intervall stellte sich nicht mehr - ein paar Wochen vor dem nächsten Termin brach ein Teil des Auspuffsystems ab, und zwar mitten in einem steil ansteigenden Abschnitt des Stadttunnels von Fulda, wo ich zu der Zeit noch wohnte. Ich musste ja Gas geben, um aus dem Tunnel herauszukommen - das verursachte einen höllischen Lärm! Aber immerhin - dreieinhalb Jahre mit einem geschenkten Auto, das noch 20000 km gefahren ist und dazu mit seinem 50 PS starken Dieselmotor sehr genügsam war, selbst wann man bei langen Autobahnfahrten konstant mit 140 km/h fuhr.
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Fiat Tipo
Als anderntags der junge, freundliche Automechaniker, der zugleich Besitzer meiner nahegelegenen Tankstelle war, mich kommen sah (und hörte!), wusste er gleich Bescheid, ohne dass ich viele Worte verlieren musste. Er kannte den Passat gut genug, denn ich hatte das Auto für die fälligen Wartungen immer dort hingebracht. Er fragte mich, wie es denn nun weitergehen soll, und ich wusste eigentlich noch keine Antwort. Da sagte er mir, dass er vielleicht gerade etwas für mich da hätte und zeigte mir den weinroten Fiat Tipo, den er zum Verkauf im Kundenauftrag auf seinem Hof stehen hatte. Der Wagen war auch nicht gerade neu: 10 Jahre mit 180000 auf dem Kilometerzähler. Aber er sah überraschend gepflegt aus, machte auch bei der Probefahrt einen guten Eindruck und sollte 2400 DM kosten. Da habe ich ihn kurz entschlossen genommen. Es war kein schlechter Kauf. Mit seinen 70 PS konnte er ein rechter Flitzer sein, der es mühelos auf 160 km/h schaffte. Das habe ich allerdings nur einige wenige Male ausgereizt, denn ich bin ja auch selber in die Jahre gekommen und habe mir einen ruhigeren, defensiven Fahrstil angewöhnt. Jedenfalls bin ich nochmal dreieinhalb Jahre und 20000 km gut mit dem Auto zurecht gekommen. Dann allerdings passierte etwas Schreckliches. Kurz nach dem Start, mitten auf einer Kreuzung, erscholl aus dem Motorraum ein grässliches Rattern, das sogleich wieder aufhörte. Danach war der Motor nicht mehr zu starten. Mir schwante Schlimmes, was der Gelbe Engel vom ADAC dann auch bestätigte: der Zahnriemen für die Ventilsteuerung war gerissen. Das bedeutet in aller Regel, dass im Zylinderkopf die Ventilöffnungen zerschlagen werden und die Ventile gebrochen oder verbogen sind. So war es denn auch, wie sich anschließend in der Werkstatt herausstellte. Damit war auch dieses Auto eigentlich schrottreif geworden. Eine reguläre Entsorgung hätte um die 200 Euro gekostet, aber einer der Mechaniker bot sich an, das für mich umsonst zu erledigen, wenn ich mich um die Abmeldung kümmern und ihm den KFZ-Brief überlassen würde. Naja, der findige Bursche hat den Wagen indessen wieder fahrbereit gemacht, sich vielleicht die zerstörten Teile auf irgend einem Schrottplatz zusammengeklaubt. Bekannte haben mir erzählt, dass das Auto schon kurz danach wieder in der Stadt herumfuhr. Es war war ja auch an einem unverwechselbaren Aufkleber auf der Heckklappe zu erkennen. Ich habe es selber nicht mehr gesehen und mich hat's nicht gegrämt.
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Ausblick
Als der Fiat Tipo kaputt ging, hatte ich nicht genug Geld für einen akzeptablen Ersatz. Wenige Monate zuvor hatte ich meinen Arbeitsplatz verloren und bin unfreiwillig arbeitslos geworden, das war drei Jahre vor meinem Eintritt ins reguläre Rentenalter. Weil die Zahlung des Arbeitslosengeldes in meinem Fall auf dreißig Monate begrenzt war, musste ich zudem vorzeitig in Rente gehen, was für mich dauerhaft eine Einbuße bei der Höhe der Rente zur Folge hat. Deshalb wird sehr wahrscheinlich mein zuletzt besessenes Auto auch definitiv mein letztes bleiben, denn es sind ja nicht nur die kalkulierbaren Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt eines eigenen fahrbaren Untersatzes zu bezahlen. Auch wenn ein Auto nicht immer gleich ganz unbrauchbar wird, entstehen zusätzliche Ausgaben, und zwar zu unvorhersehbaren Zeitpunkten und in unvorsehbarer Höhe in Form von unvorhersehbaren Reparaturen. Damit verbietet sich eigentlich der Besitz eines Autos, wenn das verfügbare Geld für Essen, Trinken, angemessenes Wohnen und die sozialen und kulturellen Bedürfnisse langt, aber ansonsten nicht allzuviel übrig bleibt.

Für mich ist aber der pekuniäre Aspekt nicht der einzige Grund gewesen, mich mit dem Verzicht aufs Autofahren abzufinden, obwohl ich 41 Jahre lang von meinem Führerschein Gebrauch gmacht habe, 31 Jahre davon mit einen eigenen PKW. Grob geschätzt bin ich insgesamt 750000 km gefahren - das entspricht ungefähr einer Reise zum Mond und zurück. Ich habe keinen Unfall erlebt - bis auf eine etwas unsanfte Begegnung mit einem ziemlich alkoholisierten Mopedfahrer, der glücklicherweise mit ein paar leichten Prellungen davongekommen ist, weil ich mein Auto noch vor dem frontalen Zusammenstoß zum Stehen bringen konnte. In jüngeren Jahren bin ich immer gerne und auch richtig flott gefahren, wie man so sagt. Auch sehr lange Fahrten haben mir überhaupt nichts ausgemacht. Das hat sich später geändert - deutlich genug, so dass es mir auch selber bewusst wurde. Ich hatte mir z.B. fest angewöhnt, mich bei jedem Überholvorgang nicht nur auf den Rückspiegel zu verlassen und vor dem Fahrbahnwechsel immer den Kopf für einen direkten Blick nach hinten zu wenden. Und doch ist es mir ein Mal passiert, dass ich bei einer Heimfahrt am Freitagabend nach einer anstrengenden Arbeitswoche diesen prüfenden Blick vor dem Ausscheren zum Überholen auf der Autobahn wohl einfach vergessen habe. Es wäre sicher zu einem schweren Unfall gekommen, wenn ich nicht mehr genug Platz zur Rückkehr auf die rechte Spur gehabt hätte. Nur zwei Wochen später bin ich einmal zu schnell in eine Autobahnausfahrt eingebogen und hatte Mühe, den Wagen unter Kontrolle zu halten. Dann bemerkte ich auch, dass ich bei den langen Fahrten eher müde wurde und mir die Augen zufallen wollten - Zeichen, die erkennen ließen, dass nicht mehr alles so wie früher war. Fahren in der Dunkelheit wurde anstrengender und wenn es dazu noch regnete, bekam ich Gefühle der Unsicherheit.

All das ist mir durch den Kopf gegangen, als ich nach der Abmeldung meines letzten Autos vom Straßenverkehrsamt nach Hause wanderte, und da habe ich beschlossen, das Autofahren an den Nagel zu hängen. Es ist mir leichter als erwartet gefallen. Und als ich nach Berlin umgezogen bin, war ich sogar richtig froh, dass ich mir um ein Auto keine Gedanken mehr machen musste. Bei der Parkplatzknappheit, die hier herrscht, ist ein Auto doch oft einfach nur lästig, oder?
 
 
Hawkbit
31 October 2008 @ 01:18 pm
Aus dunkler Quelle war zu erfahren, dass sich zur bevorstehenden Walpurgisnacht allerlei schwarzes Gefieder, Fledermäuse und besenreitende Hexen zu einem ganz besonderen Anlass einfinden werden. Und zwar wolle man sich auf dem Gebiet des am Vortage stillgelegten Zenralflughafens Tempelhof versammeln, um dieses althergebrachte Fest, das hierzulande seit 20 Jahren mehr und mehr nur noch unter dem Namen Halloween bekannt ist, nun endlich ungestört und ausgiebig feiern zu können. Im Gegensatz zur offiziellen Abschiedsveranstaltung des Flugplatzes, bei der sich nur eine begrenzte Auswahl erlauchter Persönlichkeiten an Sekt und Kaviar gütlich tun durfte, sei heute Nacht ein jeder willkommen, der sich irgendwie dieser das Düstere liebenden Gemeinschaft verbunden fühlt.

Schon in den letzten Tagen habe ich vermehrt beobachten können, wie große Rabengeschwader das Gelände rund um das Flugfeld erkundeten. Bilder, die ich im Laufe dieses Herbstes von meinem Balkon aus fotografiert habe, gehören indessen der Vergangenheit an.


Eine Linienmaschine ist in Richtung Osten aufgestiegen.


Einen Leichtflieger zieht es mehr in westliche Richtung.


Ein älteres Propellerflugzeug dreht gerade nach Süden ab.
 
 
Current Mood: schaurig schön